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Home / Aktuelle Texte / Haare 2008 - Deutsche Friseurmeisterschaft

Nürnberg, im Oktober 2008

Gemeinsame deutsche und bayerische Friseurmeisterschaften in schwierigem wirtschaftlichem Umfeld: Dieser Tage gingen die „Haare 2008“ über die Bühnen der Nürnberger Frankenhalle. Aber bei den MeisterInnen von Schere und Kamm ist nicht alles so glänzend, wie der Anblick manch extravaganter Frisur auf den ersten Moment Glauben macht.  

Zentralverbands-Vorsitzender Andreas Popp, Stein bei Nürnberg; Fotos: Heinz Wraneschitz bildtext.de

 

Dabei ist nicht ohne, was die etwa 13.000 bayerischen Friseurbetriebe für die Volkswirtschaft beitragen. Immerhin leben im Freistaat weit über 40.000 Menschen von diesem Handwerk; sie erwirtschafteten 2007 einen Umsatz von ca. 640 Millionen. Und noch eine Zahl ist bemerkenswert: 6.124 junge Leute erhalten in der Branche ihre Ausbildung – 90% von ihnen weiblich.

 

Doch das Führungsteam der hier organisierten Friseure hat einige Kopfschmerzen: Trotz Umsatz- (-5,9%) und Beschäftigtenrückgang (-3.2%) stieg die Zahl der in die Handwerksrolle eingetragenen Betriebe von 2006 auf 2007 um 260.

 

„Es gibt immer mehr Alleinunterhalter-Salons, die weniger als 17.500 Euro Jahresumsatz machen und deshalb keine Mehrwertsteuer aufschlagen müssen“, nennt Landesinnungsmeister Andreas Popp aus Stein bei Nürnberg ein Problem, das „Betrieben mit Angestellten“ zu schaffen macht.

 

Einen Lösungsvorschlag hätte Popp schon parat: „Unser Lieblingsthema: Alle EU-Länder außer Österreich, Dänemark und die Bundesrepublik haben einen ermäßigten MWSt-Satz auf Dienstleistungen mit hohem Handwerksanteil.“ Er fordert die „Bundesregierung auf, die Blockadehaltung aufzugeben“ und alle Friseurleistungen mit sieben Prozent zu beaufschlagen – auch die Betriebe mit geringem Umsatz.

 

Wobei Popp, auch als Präsident des bundesdeutschen Friseur-Zentralverbands engagiert, zurzeit speziell auf die Politiker der bayerischen SPD nicht gut zu sprechen ist: „Zwei einstweilige Verfügungen haben wir im Wahlkampf erwirkt gegen ein Plakat und ein Flugblatt.“ Darauf zu sehen: Eine Friseurin mit „4,99 Euro“-Aufkleber auf der Stirn.

 

Dabei hat sein Verband mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Bayern einen gültigen Tarifvertrag abgeschlossen: „7,03 Euro für Berufsanfänger, im zweiten Berufsjahr sind es bereits 7,66 Euro Stundenlohn“, stellt er klar. Die Bayern-SPD hat sich scheinbar für ihr „Mindestlohn“-Plakat genau die falsche Branche ausgesucht.

 

Noch dazu, wo die fast zur Hälfte freiwillig in Innungen organisierten Friseurgeschäfte sich nicht nur um die Aus-, sondern auch stark um die Weiterbildung ihrer MitarbeiterInnen bemühen: Auch „Haare 2008“ im Messezentrum Nürnberg diente dazu. Sogar für Hair Tattoos werden inzwischen Meister gekürt (siehe Bild – wenn´s auch nicht das Meister-Stück ist...). Neben den „konventionellen“ Meisterschaften boten z.B. Ideenwettbewerbe Anregungen, wie die Locken künftig fallen.

 

 

Wenn man Andreas Popp glaubt, dann „sagen 80% der Deutschen, der Service beim Friseur ist gut. Und zwei Drittel der Bevölkerung nimmt unsere Dienste regelmäßig in Anspruch“, hat der Verband herausfinden lassen. Außerdem erwartet der Landesinnungsmeister „eine positive Entwicklung der Schönheitsbranche“: Friseure böten ja heute schon Kosmetik oder Haarverlängerungen (“Extensions“) und nicht nur Haarschnitte und Dauerwellen.

 

Deshalb ging es am Sonntag und Montag auf 15.000 Quadratmetern in Frankenhalle und Halle 10 „um alles, was schön macht“. Und sogar die „Haare 2009“ stünden an gleicher Stelle bereits fest. Auch bei der nächsten Haar-Schau seien Kunden besonders erwünscht – auch wenn die Eintrittskarten wohl wieder nicht unter von 25 Euro pro Tag zu haben sein werden: Das wurde heuer nicht gerade von der Masse der Friseur-Kundinnen und -Kunden angenommen.

 

Dennoch: „Das Friseurhandwerk ist eine vitale Branche – und sie ist hoch im Kurs, trotz angespannter Situation“ macht Andreas Popp nicht nur seinen Verbandskollegen Mut.

HEINZ WRANESCHITZ

 

Mehr im Web:

www.haare2008.de

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